„WEICHENSTELLUNG für Viertklässler“

ein Schülerförderprogramm, das Viertklässler für eine höhere Schulbildung ermutigen und stärken will. Zeitraum der Förderung: Klasse 4 – Klasse 6

Kooperation der ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius, der Dürr-Stiftung und der Harold A. und Ingeborg L. Hartog-Stiftung; ab dem 3. Jahrgang (Schuljahr 2015/2016) auch mit der Jürgen Sengpiel Stiftung. Finanzielle Unterstützung leisten die Privatbank Hauck & Aufhäuser und die Buch- und Filmautorin Gisela Graichen.

Projektleitung: Frau Katrin Wischert, ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius / Gesamtprojektleitung Dr. Tatiana Matthiesen, ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius

Wissenschaftliche Projektleitung/Pädagogische Leitung: 1. – 3. Jahrgang Prof. Dr. Rainer Lehberger, Zentrum für Lehrerbildung, und ab 4. Jahrgang Prof. Dr. Thomas Trautmann, Fakultät für Erziehungswissenschaft, Universität Hamburg

Schirmfrau des Projektes ist die Kinderbuchautorin Kirsten Boje.

Laufzeit: Aufnahme von Menteés über 3 Jahre: zunächst von September 2013 bis August 2016. Die Dürr-Stiftung hat zugesagt, auch den 4. Jahrgang des Projekts (Schuljahr 2016/2017) zu unterstützen. Im September 2016 wurden 44  Kinder als Mentées neu in den 4. Jahrgang „WEICHENSTELLUNG für Viertklässler“ aufgenommen  Sie werden von 17 Mentorinnen und Mentoren betreut. Im September 2017 wurde der 5. Jahrgang als „Jubiläumsjahrgang“ ebenfalls mit 44 Kindern und 17 Mentorinnen und Mentoren in das Programm aufgenommen.

Seit 2013 wurden und werden in Hamburg bisher 148 Kinder von insgesamt 53 Mentorinnen und Mentoren  gefördert (Stand Herbst 2017).

Aktuell betreut, begleitet, motiviert und fördert „WEICHENSTELLUNG für Viertklässler“  mit  41 Mentoren  rund 120 Schülerinnen und Schüler von der 4. bis zur 6. Klasse an acht Grundschulen und 26 weiterführenden Schu­len.

Website: www.zeit-stiftung.de

 

Hintergrund:

Seit der ersten PISA-Untersuchung aus dem Jahr 2000 wissen wir, dass Schülerinnen und Schüler aus sozial schwachen Familien, insbesondere mit Migrationshintergrund, zu den Bildungsverlierern im deutschen Bildungssystem gehören. Seither hat es eine partielle Verbesserung gegeben, jedoch ist in der Summe die Situation nach wie vor in hohem Maße unbefriedigend.
Der dritte Nationale Bildungsbericht bilanziert: „Die weiterhin bestehenden sozialen Disparitäten beim Übergang vom Primär- zum Sekundarbereich I zeigen sich insbesondere darin, dass Kinder mit Migrationshintergrund selbst bei gleichem sozioökonomischem Status bis zu doppelt so häufig an Hauptschulen zu finden sind wie Kinder ohne Migrationshintergrund.“
Übergänge in höhere Schulformen und/oder Schulstufen sind besonders kritische Phasen der Schullaufbahn. Die Bildungsforschung konstatiert, dass der Bildungsweg und der Bildungserfolg oder -misserfolg der Eltern von herausragender Bedeutung für die nächste Generation ist. Der gesellschaftliche Aufstieg durch Bildung ist schwierig.
Selbst bei erfolgtem Wechsel in eine höhere Schulform wie das Gymnasium, sinkt die Leistungsbereitschaft von sozialbenachteiligten Schülern rasch und der Bildungsanspruch lässt bei diesen Schülern nach.

Bisherige Förderprogramme für diese Schülerinnen und Schüler, insbesondere für Kinder nicht-deutscher Herkunft, konzentrieren sich auf die pass-genaue Unterstützung dieser Schüler bei der Verbesserung schulischer Lern-leistungen, sei es durch Hausaufgabenhilfe, Nachhilfe- oder allgemeine Förderprogramme.

Ziele:

  • Schülerinnen und Schüler aus sozial schwachen Familien, insbesondere mit Migrationshintergrund, werden bei den relevanten Übergängen des Bildungssystems – konkret in diesem Projekt von der Grundschule zur weiterführenden Schule, – Gymnasium oder Stadtteilschule – durch eine aktive Begleitung unterstützt, damit sie ihr persönliches Potenzial ausschöpfen und den Übergang  in eine höhere Schulform (Gymnasium) schaffen. Sie werden auch nach erfolgtem Wechsel weiter gefördert und in ihrer Leistungsbereitschaft gestärkt.
  • Lehramtsstudierende als Mentorinnen und Mentoren übernehmen  die aktive Begleitung, sie wirken im Rahmen des Integrierten Schulpraktikums (ISP) im BA Studium an dem Projekt mit und erhalten  dafür Leistungspunkte (8). Ein/e Studierende/r ist für maximal drei Kinder verantwortlich.

Die Ausbildung und Beratung der Mentorinnen und Mentoren erfolgt durch Experten der Universität Hamburg und des Landesinstituts für Lehrerbildung und Schulentwicklung Hamburg in regelmäßigen Supervisionen.

Die Auswahl der Schüler erfolgt am Ende der 3. Klasse durch die  Klassenleitungen der Partnergrundschulen anhand eines Fragebogens, der von Prof. Trautmann entwickelt wurde.

Unterstützt und gefördert werden:

fachliche Kompetenzen (insbesondere in den Kernfächern)

  • fachliche Kompetenzen (insbesondere in den Kernfächern),
  • psychosoziale Voraussetzungen: Ich-Stärke, Durchhaltevermögen und Teamfähigkeit
  • allgemeine Bildungsaspiration (z.B. durch Besuch von Museen, Theater, Anregung zu Lektüre und Medien)

Eine wichtige Aufgabe der Mentoren ist die Kooperation mit den Eltern und die Kooperation mit Lehrkräften und Entscheidungskräften an den Schulen der Kinder.

Die Lehramtsstudierenden nehmen in der Grundschule zweimal pro Woche (1 x 2 stündig, 1 x 1 stündig) am Regelunterricht teil und fördern in Absprache mit den jeweiligen Lehrkräften die 2 – 3 ausgewählten Schülerinnen und Schüler durch gezielte binnendifferenzierende Maßnahmen.
In der weiterführenden Schule (Gymnasium oder Stadtteilschule) wird in den Klassen 5 und 6 vor allem fachliche Unterstützung seitens der begleitenden Studierenden gewährt. Hierfür können je nach Bedarf 2 – 3 Stunden pro Woche angesetzt werden.
Im außerschulischen Bereich: Mindestens einmal im Monat (samstags oder werktags am Nachmittag) treffen die Studierenden sich mit den zu fördernden Schülerinnen und Schülern für Aktivitäten i.S. von Durchhaltevermögen und Teamfähigkeit und/oder zum Besuch von Museen oder Theatern.

 

Eine erste Evaluation am Ende des Schuljahres 2014/2015 unter den Beteiligten am Programm „WEICHENSTELLUNG“ (1. und 2. Jahrgang) ergab, dass das Projekt hoch wirksam ist. Die Schülerinnen und Schüler können ihre Potentiale besser entfalten, die Schulen stärker auf die unterschiedlichen Begabungen eingehen und die Mentoren Praxiserfahrungen schon während des Studiums sammeln. Nach Aussage der Klassenleitungen ist das Projekt für alle Beteiligten gewinnbringend.

Nach ersten Ergebnissen zu Schulübergängen mit Auswertung bis 2016 zeigen, dass von 104 in der Evaluation erfassten Kindern 80 auf das Gymnasium gewechselt sind. An die Stadtteilschule  wechselten 24 Kinder.

„WEICHENSTELLUNG für Viertklässler“ zieht Kreise:

In Baden-Württemberg ist WEICHENSTELLUNG seit dem Schuljahr 2014/15 am Start. Die Karl Schlecht Stiftung realisiert das Vorhaben in Biberach und in Ravensburg. Das Projekt wird vor Ort durch die Pädagogische Hochschule Weingarten koordiniert.

In Köln werden in Zusammenarbeit mit der Universität zu Köln zurzeit 90 SchülerInnen an 17 Kölner Grundschulen durch das Projekt „WEICHENSTELLUNG für Viertklässler“ gefördert. 30 Bachelor Lehramtsstudierende der Universität zu Köln nehmen als Mentoren teil.

Parallel hat die Zeit-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius das Projekt „Weichenstellung für Zuwanderer“ entwickelt, das vom BFSFJ und der Till Schweiger Stiftung gefördert wird. Es unterstützt Schülerinnen und Schüler aus Zuwandererfamilien zwei Jahre lang mit einem ähnlich aufgebauten Mentorenprogramm beim Übergang von den internationalen Vorbereitungsklassen in die Regelklassen.